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Der Rathausturm und das Rathaus
Das Rathaus am Marktplatz gehört zu den eindrucksvollsten Bauwerken Rothenburgs ob der Tauber. Besonders interessant ist, dass es auf den ersten Blick wie ein einziges Gebäude wirkt, tatsächlich aber aus verschiedenen Bauphasen besteht. Gotik und Renaissance stehen hier unmittelbar nebeneinander.
Über dem älteren Teil erhebt sich der Rathausturm. Wer die rund 220 Stufen bis nach oben bewältigt, wird mit einem der schönsten Rundblicke über die Altstadt belohnt.
Zwei Baustile direkt nebeneinander
Wer sich das Rathaus vom Marktplatz genauer ansieht, erkennt zwei deutlich unterschiedliche Gebäudeteile.
Der ältere, weiß verputzte Teil mit dem hohen Turm stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert und gehört zum gotischen Rathaus.
Der große steinerne Gebäudeteil daneben entstand dagegen erst im 16. Jahrhundert im Stil der Renaissance.
Diese Kombination macht das Rathaus besonders interessant.
Rothenburg wird häufig als rein mittelalterliche Stadt wahrgenommen. Tatsächlich entwickelte und veränderte sich die Stadt jedoch über viele Jahrhunderte.
Am Rathaus kann man diese verschiedenen historischen Schichten besonders gut erkennen.
Das politische Zentrum der Reichsstadt
Das Rathaus war über Jahrhunderte das politische Zentrum Rothenburgs.
Hier tagte der Rat der Stadt und hier wurden Entscheidungen getroffen, die das Leben innerhalb der Stadtmauern ebenso beeinflussten wie das große Rothenburger Landgebiet außerhalb.
Von hier aus beschäftigte man sich unter anderem mit:
- Finanzen und Steuern
- Handel und Märkten
- Verteidigung
- städtischen Bauvorhaben
- Bündnissen
- Recht und Verwaltung
Für eine Freie Reichsstadt war ein repräsentatives Rathaus deshalb weit mehr als nur ein Verwaltungsgebäude.
Es war gleichzeitig ein sichtbares Zeichen städtischer Selbstständigkeit und Macht.
Der große Brand von 1501
Im Jahr 1501 wurde ein Teil des mittelalterlichen Rathauses durch einen schweren Brand zerstört.
Der westliche gotische Teil blieb erhalten, während der östliche Flügel stark beschädigt beziehungsweise zerstört wurde.
Zunächst wurde das Gebäude provisorisch wieder nutzbar gemacht.
Mehrere Jahrzehnte später entschied sich die Stadt schließlich gegen eine einfache Rekonstruktion des alten Gebäudes.
Stattdessen entstand etwas Neues.
Das Renaissance-Rathaus
Zwischen 1572 und 1578 wurde der große Renaissanceflügel errichtet, der heute einen erheblichen Teil des Marktplatzes prägt.
Seine Architektur unterscheidet sich deutlich vom älteren gotischen Rathaus.
Große Fenster, aufwendig bearbeiteter Stein, Giebel, Erker und symmetrische Fassadenelemente sollten nicht nur praktisch sein.
Sie sollten auch zeigen:
Rothenburg war eine wohlhabende und selbstbewusste Reichsstadt.
Gerade deshalb ist das Rathaus ein gutes Beispiel dafür, dass Rothenburg nicht einfach irgendwann „fertig“ war.
Auch innerhalb der historischen Altstadt wurde gebaut, erweitert, modernisiert und an den Geschmack neuer Epochen angepasst.
Der Kaisersaal
Im älteren Teil des Rathauses befindet sich der große Kaisersaal.
Der repräsentative Saal diente früher wichtigen Versammlungen und Veranstaltungen.
Besonders beeindruckend ist seine große historische Holzkonstruktion.
Heute kennen viele Rothenburger und Besucher den Kaisersaal vor allem durch das Historische Festspiel „Der Meistertrunk“.
Seit dem 19. Jahrhundert wird dort die berühmte Geschichte um General Tilly, Altbürgermeister Georg Nusch und den legendären Meistertrunk aufgeführt.
Der Kaisersaal ist allerdings kein gewöhnlicher Museumsraum und nicht jederzeit frei zugänglich.
Wer ihn sehen möchte, sollte auf Führungen, Veranstaltungen oder die Aufführungen des Meistertrunks achten.
Der Rathausturm
Der Rathausturm erhebt sich über dem älteren gotischen Teil des Gebäudes und gehört zu den markantesten Punkten der Rothenburger Stadtsilhouette.
Anders als viele Türme der Stadt kann er von Besuchern bestiegen werden.
Bis zur Aussichtsplattform sind ungefähr 220 Stufen zu bewältigen.
Der Aufstieg beginnt zunächst recht unspektakulär, wird aber nach oben zunehmend enger und steiler.
Gerade die letzten Meter haben mit einem modernen Aussichtsturm wenig gemeinsam.
Schmale Treppen und historische Konstruktionen gehören zum Erlebnis dazu.
Rothenburg von oben
Oben angekommen öffnet sich ein nahezu vollständiger Rundblick über die Altstadt.
Von hier erkennt man besonders gut, wie kompakt Rothenburg innerhalb seiner Stadtmauer gebaut wurde.
Besonders eindrucksvoll ist der Blick in Richtung St.-Jakobs-Kirche.
Ihre beiden Türme wirken vom Rathausturm plötzlich wesentlich näher und befinden sich beinahe auf Augenhöhe.
Auch die unterschiedlichen Höhen der beiden Kirchtürme lassen sich von hier besonders gut erkennen.
Mit einer längeren Brennweite ergeben sich schöne Detailaufnahmen der Kirche zwischen den Dächern der Altstadt.
Blick über die Herrngasse
Nach Westen verläuft die Herrngasse beinahe geradlinig vom Marktplatz in Richtung Burgtor.
Vom Turm lässt sich diese wichtige historische Straßenachse hervorragend erkennen.
Hinter dem Burgtor beginnt das Taubertal.
Damit wird von oben deutlich, wie unmittelbar die Stadt an der steilen Geländekante gebaut wurde.
Blick in Richtung Spitalviertel
Nach Süden zieht sich die Altstadt weit in Richtung Spitalviertel.
Auch hier erkennt man sehr schön den Verlauf der historischen Stadtstruktur.
Kirchen, Türme und Dächer liegen entlang der Straßenachsen und werden am äußeren Rand durch die Stadtbefestigung begrenzt.
Gerade wenn man später unsere Stadtmauer-Tour läuft, hilft der vorherige Blick vom Rathausturm dabei, die einzelnen Bereiche besser einzuordnen.
Die Stadt wird plötzlich verständlich
Vom Straßenniveau erlebt man Rothenburg immer nur abschnittsweise.
Man geht durch eine Gasse, erreicht einen Platz, biegt ab und steht plötzlich vor dem nächsten Tor.
Vom Rathausturm verändert sich diese Wahrnehmung.
Plötzlich erkennt man:
- wie die Straßen miteinander verbunden sind
- wo die Kirchen innerhalb der Stadt liegen
- wie klein die Altstadt eigentlich ist
- wie die Stadtmauer ihren äußeren Rahmen bildet
- wo das Gelände steil ins Taubertal abfällt
Rothenburg wirkt von hier oben beinahe wie ein dreidimensionaler Stadtplan.
Zerstörung im Zweiten Weltkrieg
Auch das Rathaus wurde beim Luftangriff auf Rothenburg am 31. März 1945 beschädigt.
Besonders der Renaissanceflügel erlitt schwere Schäden. Teile der oberen Geschosse und des Dachbereichs brannten aus.
Nach dem Krieg wurde das Gebäude wieder aufgebaut.
Damit erzählt auch das Rathaus einen Teil jener Geschichte, die man an vielen Stellen Rothenburgs findet:
Ein erheblicher Teil des heutigen historischen Stadtbildes verdankt seinen Erhalt beziehungsweise seine Wiederherstellung dem Wiederaufbau nach 1945.
Historiengewölbe direkt darunter
Unter beziehungsweise innerhalb des Rathauskomplexes befindet sich außerdem der Zugang zum Historiengewölbe mit Staatsverlies. Der Eingang liegt im Lichthof des Rathauses.
Dort führt die Geschichte noch einmal in eine völlig andere Richtung.
Während man oben vom Rathausturm über die Stadt blickt, gelangt man im Historiengewölbe hinunter in Räume, die von:
- Dreißigjährigem Krieg
- Meistertrunk
- Reichsstadt
- Gefangenschaft
- Heinrich Toppler
erzählen.
Beide Sehenswürdigkeiten lassen sich deshalb sehr gut miteinander verbinden.
Gut zu wissen
Der Aufstieg auf den Rathausturm ist körperlich anspruchsvoller, als die Höhe zunächst vermuten lässt.
Für Menschen mit starken Gehproblemen oder ausgeprägter Höhenangst ist der Aufstieg deshalb nicht geeignet.
Der Turm ist nicht barrierefrei.
Aktuell gelten für den Rathausturm saisonabhängige Öffnungszeiten. Der Eintritt für Erwachsene beträgt derzeit 4 Euro.
Stand: August 2026.
Da Öffnungszeiten und Eintrittspreise geändert werden können, empfehlen wir vor dem Besuch einen kurzen Blick auf die aktuellen Informationen.
Unser Tipp
Steigen Sie möglichst am Anfang Ihres Rothenburg-Besuchs auf den Rathausturm.
Von oben bekommen Sie zunächst einen Überblick über die gesamte Altstadt.
Gerade beim ersten Besuch hilft das erstaunlich dabei, die Struktur Rothenburgs zu verstehen.
Und nach dem Abstieg lohnt sich noch ein zweiter Blick auf das Rathaus selbst.
Denn dann fällt auf, was viele Besucher zunächst übersehen:
Das Rothenburger Rathaus ist nicht einfach ein mittelalterliches Gebäude. Es erzählt mit Gotik, Renaissance und Wiederaufbau mehrere Jahrhunderte Stadtgeschichte auf engstem Raum.
Vor Ort
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- Zugang
- Kostenpflichtig
- Öffentlich zugänglich
- Teilweise
- Barrierefreiheit
- Nein