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Das Rothenburg-Museum

Wer Rothenburg ob der Tauber nicht nur anschauen, sondern wirklich verstehen möchte, sollte das RothenburgMuseum besuchen. Auf mehr als 2.500 Quadratmetern erzählt das Museum von mehreren Jahrhunderten Stadtgeschichte – von mittelalterlichem Klosterleben und der Zeit als Reichsstadt über jüdisches Leben, Handwerk, Kunst und historische Waffen bis zur touristischen Wiederentdeckung Rothenburgs und zum Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

RothenburgMuseum – Die Geschichte der Stadt unter einem Dach

Schon das Gebäude ist Teil dieser Geschichte: Das Museum befindet sich in den weitgehend erhaltenen Gebäuden eines ehemaligen Dominikanerinnenklosters, das von 1258 bis 1554 bestand. Seit 1936 werden hier die städtischen Sammlungen präsentiert. 2019 wurde das frühere Reichsstadtmuseum in RothenburgMuseum umbenannt.

Das Gebäude ist selbst ein Museumsstück

Noch bevor man sich einzelne Exponate ansieht, lohnt sich ein Blick auf die Räume.

Das ehemalige Dominikanerinnenkloster bildet bis heute einen großen Teil des Museums. Besonders der historische Kreuzgang vermittelt einen Eindruck davon, wie die Anlage ursprünglich genutzt wurde.

Der Kreuzgang stammt größtenteils noch aus der Entstehungszeit des Klosters von 1258. Lediglich der südliche Abschnitt ging nach dem Abbruch der ehemaligen Klosterkirche 1812 verloren und wurde 1980 rekonstruiert.

Im Kreuzgang befinden sich außerdem die Originalfiguren vom Baumeisterhaus, welche die sieben Tugenden und sieben Laster darstellen.

Allein dieser Bereich macht deutlich:

Im RothenburgMuseum betrachtet man Geschichte nicht nur in Vitrinen – man bewegt sich selbst durch historische Räume.

Eine Klosterküche aus dem 13. Jahrhundert

Einer der ungewöhnlichsten Räume des Museums ist die nahezu erhaltene Klosterküche aus der Zeit um 1260.

Sie gehört zu den ältesten erhaltenen Klosterküchen Deutschlands und vermittelt einen seltenen Einblick in den Alltag der Dominikanerinnen.

Interessant sind dabei nicht nur Herd und Feuerstelle. In der Küche lassen sich auch Details entdecken, die etwas über das soziale Leben des Klosters erzählen.

Dazu gehört eine Drehlade mit einem drehbaren Fass. Über diese Vorrichtung konnten beispielsweise Bedürftige, Pilger oder Bettler versorgt werden, ohne dass sie unmittelbar in die abgeschlossenen Bereiche des Klosters gelangen mussten.

Auch ein Speiseaufzug verband die Küche früher mit anderen Bereichen des Gebäudes.

Besonders bemerkenswert: Teile der Außenwände der Küche bestehen aus Resten der ältesten Rothenburger Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert.

Damit treffen an diesem Ort Klostergeschichte und frühe Stadtbefestigung unmittelbar aufeinander.

Die Geschichte Rothenburgs aus acht Jahrhunderten

Das RothenburgMuseum ist kein Museum zu einem einzigen Thema.

Die städtischen Sammlungen umfassen Objekte aus rund acht Jahrhunderten und decken sehr unterschiedliche Bereiche des Lebens in Rothenburg ab.

Zu den Dauerausstellungen gehören unter anderem:

  • Stadtgeschichte
  • jüdische Geschichte Rothenburgs
  • mittelalterliches Klosterleben
  • historische Waffen
  • Handwerksgeschichte
  • Wohnkultur
  • Musikgeschichte
  • Kunst und Malerei
  • Fayencen
  • kirchliche Kunst
  • Geschichte des Stadtbildes und des Wiederaufbaus

Gerade diese Mischung macht das Museum interessant.

Man betrachtet Rothenburg nicht nur als mittelalterliche Kulisse, sondern als Stadt, die sich über viele Jahrhunderte ständig verändert hat.

Jüdisches Leben in Rothenburg

Ein besonders wichtiger Bereich des Museums beschäftigt sich mit der jüdischen Geschichte Rothenburgs.

Bereits im 13. Jahrhundert existierte eine bedeutende jüdische Gemeinde. Mit Rabbi Meir ben Baruch von Rothenburg, häufig MaHaRaM genannt, wirkte hier einer der bedeutendsten jüdischen Rechtsgelehrten des europäischen Mittelalters.

Die Judaika-Abteilung zeigt unter anderem:

  • mittelalterliche jüdische Grabsteine
  • Gegenstände jüdischen Lebens aus Franken
  • Informationen über Rabbi Meir ben Baruch
  • Zeugnisse der jüdischen Gemeinde Rothenburgs

Eines der bedeutendsten Exponate ist der sogenannte Pogromstein.

Seine hebräische Inschrift erinnert an Opfer des Rintfleisch-Pogroms von 1298, bei dem zahlreiche jüdische Menschen in Rothenburg und anderen fränkischen Orten ermordet wurden. Der Stein wurde 1980 wiederentdeckt, restauriert und anschließend ins Museum gebracht.

Damit zeigt das Museum auch jene Teile der Stadtgeschichte, die nicht in das romantische Bild des mittelalterlichen Rothenburgs passen – aber unbedingt dazugehören.

Die Rothenburger Passion von 1494

Zu den kunsthistorisch bedeutenden Exponaten gehören die zwölf Tafeln der Rothenburger Passion aus dem Jahr 1494, gemalt von Martin Schwarz.

Ursprünglich befanden sich die Bilder am Lettner der Rothenburger Franziskanerkirche.

Die zwölf Darstellungen erzählten die Passion Christi gewissermaßen als Bildergeschichte für die Kirchenbesucher. Das war auch deshalb wichtig, weil große Teile der Bevölkerung kein Latein verstanden und religiöse Inhalte über Bilder vermittelt werden konnten.

Die Rothenburger Passion zählt zu den letzten erhaltenen gemalten Lettner-Zyklen dieser Art.

Besonders selten ist eine Darstellung Christi in der Vorhölle, die auf einer der Tafeln zu sehen ist.

Waffen aus mehreren Jahrtausenden

Einen vollkommen anderen Bereich bildet die Waffensammlung der Stiftung Baumann.

Sie gehört zu den bedeutenden Sammlungen des Museums und zeigt die technische Entwicklung von Waffen von der Steinzeit bis in das 19. Jahrhundert.

Rund 800 Exponate werden beziehungsweise wurden im Festsaal und mehreren Kabinetten präsentiert; die gesamte Stiftung umfasst annähernd 1.000 Objekte.

Zu sehen sind unter anderem:

  • Faustkeile
  • Schwerter
  • Lanzen
  • Rüstungen
  • Musketen
  • Jagdwaffen
  • Pistolen
  • aufwendig gearbeitete Repräsentationswaffen

Die Sammlung macht deutlich, wie stark sich Waffen und damit auch Kriegsführung über Jahrhunderte verändert haben.

Für Besucher, die sich für mittelalterliche Verteidigung und unsere Artikel über Stadtmauer, Tore und Basteien interessieren, ist dieser Bereich besonders spannend.

Ein Jagdgewehr für Marie Antoinette

Zu den außergewöhnlichsten Stücken gehört ein kostbares Jagdensemble, das Marie Antoinette zugeschrieben wird.

Es wurde von den berühmten französischen Hofbüchsenmachern Le Page gefertigt und soll ein Geschenk Ludwigs XVI. an seine Frau gewesen sein. Zum Ensemble gehören ein fein gearbeitetes Jagdgewehr, Pulverflasche und Jagdschwert.

Ob Marie Antoinette genau dieses Gewehr tatsächlich häufig verwendete, ist nicht belegt. Dass sie an Jagden teilnahm, ist dagegen historisch dokumentiert.

Duellpistolen für Metternich

Auch ein Paar aufwendig gearbeiteter Duellpistolen des Fürsten Klemens von Metternich gehört zur Sammlung.

Die ebenfalls von Le Page gefertigten Pistolen gelangten im Umfeld des Wiener Kongresses von 1814/15 in Metternichs Besitz und waren offenbar eher kostbare Prestigeobjekte als Waffen für den praktischen Einsatz.

Gerade solche Stücke zeigen, dass Waffen nicht immer nur Werkzeuge des Kampfes waren.

Der echte „Meistertrunk“-Humpen

Für Rothenburg besonders interessant ist ein prächtiger Glasbecher aus dem Jahr 1616, der sogenannte Kurfürstenhumpen beziehungsweise historische „Willkomm“.

Solche Gefäße wurden in Reichsstädten benutzt, um bedeutende Gäste offiziell willkommen zu heißen.

Der Rothenburger Humpen wurde bis zum Verlust der Reichsstadtstellung im Jahr 1802 für solche repräsentativen Anlässe verwendet.

Später erhielt er noch eine ganz andere Bedeutung:

Er wurde zum Vorbild beziehungsweise zentralen Requisit des historischen Festspiels „Der Meistertrunk“.

Damit lässt sich im Museum ein reales historisches Objekt betrachten, das heute unmittelbar mit einer der bekanntesten Rothenburger Geschichten verbunden ist.

Wer unseren Artikel über den Meistertrunk gelesen hat, findet hier also eine interessante Verbindung zwischen historischem Original und später entstandener Festspieltradition.

Wie Rothenburg zum romantischen Rothenburg wurde

Ein besonders spannender Teil der Sammlung beschäftigt sich mit der Frage, wie Rothenburg überhaupt zu jener weltbekannten romantischen Stadt wurde, die heute Millionen Menschen kennen.

Im 19. Jahrhundert entdeckten insbesondere deutsche, britische und amerikanische Künstler Rothenburg als Motiv.

Maler wie der Brite Arthur Wasse, der 1895 nach Rothenburg zog und bis zu seinem Tod 1930 hier lebte, hielten Gassen, Häuser, Kirchen und Alltagsszenen fest.

Ihre Gemälde, Zeichnungen und später auch Fotografien verbreiteten das Bild der scheinbar aus der Zeit gefallenen mittelalterlichen Stadt weit über Deutschland hinaus.

Damit trugen Künstler wesentlich dazu bei, dass Rothenburg schon lange vor Instagram zu einem international bekannten Bildmotiv wurde.

Der Rothenburger Weg – warum sieht die Stadt heute so aus?

Eine der für Rothenburg-Tourist interessantesten Ausstellungen ist die seit März 2025 gezeigte Dauerausstellung:

„Der Rothenburger Weg – Eine Stadt schafft sich ihr Stadtbild“

Sie stellt eine Frage, die sich viele Besucher vermutlich gar nicht stellen:

Warum sieht Rothenburg heute eigentlich so geschlossen historisch aus?

Die Ausstellung beginnt mit dem Ende der Reichsstadtzeit 1802 und verfolgt die Entwicklung bis in die Gegenwart.

Dabei geht es unter anderem um:

  • die romantische Wiederentdeckung Rothenburgs im 19. Jahrhundert
  • Malerei und frühe Reiseführer
  • die Entstehung des Tourismus
  • die internationale Verbreitung typischer Rothenburg-Motive
  • Denkmalschutz
  • Veränderungen des Stadtbildes
  • die Instrumentalisierung Rothenburgs während des Nationalsozialismus
  • die Zerstörung 1945
  • den Wiederaufbau
  • heutige Herausforderungen einer historischen Altstadt

Gerade diese Ausstellung verändert den Blick auf Rothenburg.

Rothenburg war 1945 keineswegs unversehrt

Wer heute durch die Altstadt geht, könnte leicht den Eindruck bekommen, Rothenburg habe den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt überstanden.

Das stimmt nicht.

Beim Luftangriff vom 31. März 1945 wurden etwa 40 Prozent der Altstadt zerstört. Besonders die östlichen Bereiche der Stadt wurden schwer getroffen.

Die Ausstellung zeigt historische Fotografien, Filmaufnahmen und Dokumente der zerstörten Stadt.

Damit wird sichtbar, dass zahlreiche Bereiche, die heute wieder selbstverständlich zum historischen Stadtbild gehören, nach dem Krieg neu aufgebaut werden mussten.

Nach 1945 entschied sich Rothenburg für einen bemerkenswerten Umgang mit den zerstörten Bereichen.

Es wurde nicht versucht, jedes einzelne Gebäude vollständig als historische Kopie wiederherzustellen.

Gleichzeitig wollte man aber:

  • historische Straßenräume erhalten
  • Dachformen und Proportionen berücksichtigen
  • Neubauten in das bestehende Stadtbild integrieren
  • die Gesamtwirkung der Altstadt bewahren

So entstand das, was später als „Rothenburger Weg“ bezeichnet wurde.

Das Ergebnis ist bemerkenswert:

Viele Besucher können heute kaum erkennen, welche Häuser mittelalterlich beziehungsweise frühneuzeitlich erhalten sind und welche nach 1945 neu entstanden.

Das Museum erklärt damit etwas, das man anschließend draußen mit völlig anderen Augen betrachtet.

Nicht nur Vergangenheit – auch die Zukunft Rothenburgs

Die Ausstellung endet nicht beim Wiederaufbau.

Sie stellt auch die Frage, wie eine historische Altstadt im 21. Jahrhundert weiterleben kann.

Zum Beispiel:

  • Wie lässt sich Denkmalschutz mit modernem Wohnen verbinden?
  • Wie können historische Häuser energetisch saniert werden?
  • Wie passen erneuerbare Energien in ein geschlossenes Stadtbild?
  • Kann Photovoltaik auf historischen Dächern funktionieren?
  • Wie bleibt die Altstadt ein Lebensraum und wird nicht nur zur touristischen Kulisse?

Damit wird deutlich:

Der „Rothenburger Weg“ ist kein abgeschlossenes Kapitel.

Die Stadt muss auch heute ständig entscheiden, wie viel Veränderung möglich ist, ohne ihren besonderen Charakter zu verlieren.

Für Familien

Auch für Kinder gibt es im RothenburgMuseum eigene museumspädagogische Angebote.

Dazu gehören unter anderem praktische Aktionen und eine Kinderrallye, bei der Kinder verschiedene Bereiche des Museums selbstständig entdecken können. Das Museum bietet Angebote rund um Klosterleben, Vorgeschichte und Kunst an.

Dadurch ist das Museum nicht ausschließlich eine klassische Ausstellung mit langen Informationstexten.

Gerade Klosterküche, Rüstungen und historische Alltagsgegenstände bieten auch jüngeren Besuchern leicht verständliche Anknüpfungspunkte.

Auch digital lässt sich mehr entdecken

Das RothenburgMuseum bietet außerdem eine eigene App.

Darin werden einzelne Objekte mit zusätzlichen Informationen, Bildern und teilweise Augmented-Reality-Inhalten ergänzt.

Darüber hinaus gibt es inzwischen auch Inhalte, die Themen aus dem Museum direkt mit Orten in der Stadt verbinden. Eine erste Tour beschäftigt sich beispielsweise mit dem jüdischen Rothenburg.

Eine Pause im Klosterhof und Klostergarten

Nach dem Museumsbesuch lohnt es sich, nicht sofort weiterzugehen.

Der historische Kreuzhof und der unmittelbar angrenzende Klostergarten gehören zu den ruhigeren Orten innerhalb der Altstadt.

Der heutige Klostergarten befindet sich teilweise dort, wo sich früher die Kirche des Dominikanerinnenklosters befand.

Gerade nach einem längeren Museumsrundgang ist dieser Bereich ideal für eine kurze Pause.

Wie viel Zeit sollte man einplanen?

Das RothenburgMuseum ist mit über 2.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche deutlich größer, als man von außen vermuten könnte.

Wer nur die wichtigsten Höhepunkte sehen möchte, sollte etwa 1 bis 1,5 Stunden einplanen.

Wer sich für:

  • Stadtgeschichte
  • jüdische Geschichte
  • Waffen
  • Kunst
  • mittelalterliches Leben
  • Wiederaufbau

interessiert und die Texte ausführlicher liest, kann problemlos zwei Stunden oder länger im Museum verbringen.

Unser Tipp

Wenn Sie Rothenburg zum ersten Mal besuchen und etwas mehr Zeit haben, besuchen Sie das RothenburgMuseum möglichst früh während Ihres Aufenthalts.

Danach werden Sie viele Orte in der Stadt anders wahrnehmen.

Plötzlich erkennt man:

  • warum verschiedene Stadtmauerabschnitte unterschiedlich alt sind
  • dass Rothenburg bereits im Mittelalter eine bedeutende jüdische Gemeinde besaß
  • wie das romantische Bild der Stadt im 19. Jahrhundert entstand
  • welche Bereiche 1945 zerstört wurden
  • warum der Wiederaufbau heute kaum auffällt
  • dass das scheinbar „unveränderte Mittelalter“ tatsächlich das Ergebnis vieler Jahrhunderte Stadtentwicklung ist

Das RothenburgMuseum zeigt nicht nur alte Gegenstände – es liefert den Schlüssel, um die Stadt draußen besser zu verstehen.

Öffnungszeiten

Aktuell gelten folgende Öffnungszeiten:

12. Januar bis 27. März: täglich 14:00 bis 17:00 Uhr
28. März bis 31. Oktober: täglich 10:00 bis 18:00 Uhr
1. November bis 11. Januar: täglich 10:00 bis 16:00 Uhr
24. und 31. Dezember: geschlossen

Stand: August 2026. Änderungen sind möglich.

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