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Das Spitaltor und die Spitalbastei

Das Spitaltor mit seiner mächtigen Spitalbastei bildet den südlichen Abschluss der historischen Altstadt und gehört zu den beeindruckendsten Teilen der Rothenburger Stadtbefestigung. Von außen wirkt die Anlage bereits massiv – ihr eigentliches Ausmaß erkennt man jedoch erst, wenn man durch die verschiedenen Tore geht und die Innenhöfe, Wehrgänge, Kasematten und Geschützstellungen erkundet.

Der südliche Zugang nach Rothenburg

Das Spitaltor sicherte den südlichen Zugang zur Stadt. Dieser Bereich wurde vergleichsweise spät in den Rothenburger Befestigungsring einbezogen. Die sogenannte Spitalvorstadt oder der Kappenzipfel gehörte zu den letzten großen Erweiterungen der mittelalterlichen Stadt. Der Spitalbereich ist deshalb auch jener Teil Rothenburgs, an dem sich einige der jüngeren Entwicklungsstufen der Stadtbefestigung besonders gut erkennen lassen.

Die Anlage bestand dabei nicht aus einem einzigen Tor.

Zum vollständig erhaltenen Befestigungskomplex gehören unter anderem:

  • der Spitaltorturm
  • die mächtige Spitalbastei
  • zwei Innenhöfe beziehungsweise Zwingerbereiche
  • mehrere hintereinanderliegende Tore
  • Kasematten
  • Geschützstellungen
  • ein Vortor
  • eine ehemalige Zugbrücke
  • der Basteigraben
  • ein ehemaliges Torwärter- und Stadtzollhaus

Wer heute hindurchgeht, bewegt sich damit durch ein komplettes historisches Verteidigungssystem.

Der Spitaltorturm

Der eigentliche Torturm ist deutlich älter als große Teile der Bastei.

Der sogenannte Äußere Gebsattlerturm entstand bereits im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts. Der sechsgeschossige massive Turm besitzt eine Rundbogendurchfahrt und war ursprünglich Bestandteil der Befestigung des damals neu in die Stadt einbezogenen Spitalviertels.

Seinen heutigen oberen Abschluss mit Pyramidendach und weiteren Veränderungen erhielt der Turm erst im 18. Jahrhundert.

Damit kann man am Spitaltor sehr schön sehen, wie Rothenburg seine Stadtbefestigung nicht komplett neu errichtete, sondern vorhandene Anlagen über Jahrhunderte weiterentwickelte und verstärkte.

Eine Festung vor dem eigentlichen Tor

Als Waffen und insbesondere Geschütze immer leistungsfähiger wurden, genügte ein hoher mittelalterlicher Torturm allein nicht mehr.

Deshalb wurde vor dem älteren Spitaltorturm eine wesentlich massivere Verteidigungsanlage errichtet.

Die Spitalbastei besteht aus zwei miteinander verbundenen Ringanlagen, die von oben betrachtet annähernd die Form einer Acht bilden.

Im Inneren befinden sich:

  • zwei Höfe
  • mehrere Verteidigungsebenen
  • Kasematten
  • Geschützstellungen
  • Wehrgänge
  • zahlreiche Schießöffnungen

Die Anlage verfügte über sieben Tore, ein Fallgitter und eine Zugbrücke. Auch ein breiter Wallgang gehörte zum Verteidigungssystem und konnte für Geschütze genutzt werden.

Gerade deshalb ist die Spitalbastei wesentlich mehr als ein großes Stadttor.

Sie ist eine kleine Festung vor der eigentlichen Stadt.

Mehrere Bauphasen statt eines einzigen Baujahres

Bei der Spitalbastei findet man häufig unterschiedliche Jahreszahlen.

Das liegt daran, dass die Anlage nicht in einem einzigen Bauabschnitt entstand.

Die Bayerische Denkmalliste unterscheidet unter anderem:

  • den Torturm aus dem späten 14. Jahrhundert
  • Teile der Ringbastion aus 1537 bis 1543
  • weitere Ausbauten der Ringbastion aus 1610 bis 1616
  • das Torwärter- und Zollhaus mit der Jahreszahl 1537
  • das Vortor mit der Jahreszahl 1586
  • die ehemalige Zugbrücke aus dem 16. Jahrhundert

Die häufig genannte Jahreszahl 1546 bezieht sich auf einen wichtigen Abschluss der Befestigungsarbeiten im Spitalviertel, nicht zwingend auf jede heute sichtbare Komponente der Anlage. Das heutige Spitaltor ist also das Ergebnis einer Entwicklung über mehrere Jahrhunderte.

Ein Rundgang durch das Innere lohnt sich

Von außen sieht man vor allem Mauern. Im Inneren versteht man die Spitalbastei.

Man kann sich durch mehrere Bereiche der Anlage bewegen und dabei sehr gut nachvollziehen, wie Angreifer Schritt für Schritt aufgehalten werden sollten.

Wer das erste Tor überwunden hatte, war noch lange nicht in der Stadt.

Stattdessen musste er:

  • weitere Tore passieren
  • kontrollierte Innenhöfe durchqueren
  • mögliche Fallgitter überwinden
  • sich durch enge Durchgänge bewegen
  • dabei von unterschiedlichen Wehrpositionen aus beobachtet werden

Genau hierin liegt die Stärke einer solchen Anlage.

Ein Angreifer konnte nicht einfach geradeaus auf das eigentliche Stadttor zustürmen.

Sein Weg wurde gelenkt, verlangsamt und von mehreren Seiten kontrollierbar gemacht.

Kanonen statt nur Pfeil und Bogen

Die Spitalbastei zeigt außerdem sehr deutlich den Wandel der Befestigungstechnik.

Die klassischen hohen Mauern des Mittelalters waren gegen leistungsfähigere Kanonen zunehmend verwundbar.

Neuere Befestigungsanlagen wurden deshalb:

  • massiver
  • niedriger
  • breiter
  • stärker gestaffelt
  • für eigene Geschütze ausgelegt

In den Kasematten und Geschützstellungen der Spitalbastei konnten Kanonen so positioniert werden, dass unterschiedliche Bereiche vor der Stadt unter Feuer genommen werden konnten. Die doppelte Ringbastion ist deshalb ein besonders gutes Beispiel für die Weiterentwicklung der Rothenburger Befestigung zu Beginn der Neuzeit. Der Verein Alt-Rothenburg bezeichnet das Rondell ausdrücklich als ein bedeutendes Beispiel fortifikatorischer Prinzipien des frühen 16. Jahrhunderts.

„Friede den Eintretenden“

Über einem der Zugänge befindet sich eine der bekanntesten Inschriften der Rothenburger Stadtbefestigung:

„Pax intrantibus, salus exeuntibus“

sinngemäß:

„Friede den Eintretenden, Heil den Hinausgehenden.“

Der Satz wirkt beinahe wie ein freundlicher Willkommensgruß – und steht in einem interessanten Gegensatz zu der mächtigen Verteidigungsanlage, durch die man gerade hindurchgeht.

Genau dieser Gegensatz macht die Inschrift so interessant:

Eine Stadt wollte sich schützen, war aber gleichzeitig auf Menschen, Händler, Reisende und Waren angewiesen, die ihre Tore passierten.

Die Anlage von innen und außen ansehen

Bei kaum einem anderen Stadttor Rothenburgs lohnt es sich so sehr, beide Seiten zu betrachten.

Von der Stadtseite sieht man vor allem:

  • den Spitaltorturm
  • den Zugang aus der Spitalgasse
  • die Verbindung zum Spitalviertel

Geht man durch die Anlage nach draußen, zeigt sich dagegen die eigentliche Dimension der Befestigung.

Hier erkennt man:

  • die mächtigen Ringmauern
  • den Graben
  • die verschiedenen Torbereiche
  • die äußeren Verteidigungsstellungen
  • den Übergang zum Gelände außerhalb der Stadt

Auch die Form der Anlage lässt sich von außen wesentlich besser nachvollziehen.

Vom Stadttor direkt in die Natur

Eine Besonderheit des Spitaltors wird von vielen Besuchern unterschätzt.

Hier endet nicht einfach die Altstadt – hier beginnen unmittelbar mehrere Wege in die Landschaft rund um Rothenburg.

Direkt außerhalb der Befestigung kann man vom Stadtbesuch in wenigen Minuten zu einem Spaziergang oder einer längeren Wanderung wechseln.

Mehrere markierte Rothenburger Rundwanderwege beginnen beziehungsweise verlaufen hier. Dazu gehören unter anderem Wege durch das Taubertal, über den Natursteig und in das Schandtaubertal.

Hinunter ins Taubertal

Vom Bereich des Spitaltors führt die Medersteige hinunter ins Taubertal.

Bereits nach kurzer Zeit verändert sich die Umgebung vollkommen.

Oben:

  • Stadtmauer
  • Türme
  • historische Häuser
  • Straßen

unten:

  • Wald
  • Tauber
  • Wiesen
  • Mühlen
  • schmale Wanderwege

Gerade dieser schnelle Wechsel macht Rothenburg für Wanderer besonders interessant.

Man kann morgens durch die mittelalterliche Altstadt gehen und wenige Minuten später mitten im Grünen sein.

Zum Wildbad

Ein besonders lohnendes Ziel ist das Wildbad Rothenburg.

Von der Spitalbastei führt ein Weg über die Medersteige hinunter in Richtung Wildbad und Taubertal. Auch der Rothenburger Panoramaweg führt auf dieser Strecke direkt am Wildbadkomplex vorbei.

Das heutige Wildbad liegt eingebettet in einen großen, parkartigen Grünbereich unmittelbar unterhalb der Altstadt.

Mit seinen historischen Gebäuden, alten Bäumen und Wegen bildet es einen starken Kontrast zur befestigten Stadt oben auf dem Höhenrücken.

Auf das Wildbad selbst werden wir in einem eigenen Artikel ausführlicher eingehen.

Weiterwandern entlang der Tauber

Wer am Wildbad nicht wieder umdrehen möchte, kann seinen Spaziergang problemlos verlängern.

Von hier bestehen Verbindungen zu verschiedenen Rothenburger Wanderwegen.

Fototipp – von außen fotografieren

Wer die Spitalbastei fotografieren möchte, sollte unbedingt die Altstadt verlassen.

Die Größe und Form der Befestigungsanlage lässt sich von außen wesentlich besser erkennen als von der Spitalgasse.

Besonders interessant sind:

  • die massive Außenmauer
  • verschiedene Torbögen hintereinander
  • die Brücke über den Graben
  • der Spitaltorturm hinter der Bastei
  • die Rundungen der Bastion
  • Schießscharten und Geschützöffnungen
  • Perspektiven entlang des Grabens

Ein Weitwinkelobjektiv ist hier besonders hilfreich.

Fototipp – im Inneren

Auch innerhalb der Spitalbastei gibt es ungewöhnliche Motive.

Achten Sie besonders auf:

  • hintereinanderliegende Torbögen
  • Licht, das durch Schießscharten fällt
  • alte Steinmauern
  • Gewölbe
  • Geschützstellungen
  • Blickachsen zwischen den beiden Höfen
  • Kontraste zwischen dunklen Innenbereichen und hellem Tageslicht

Gerade morgens oder am späten Nachmittag können starke Licht- und Schatteneffekte entstehen.

Die Spitalbastei eignet sich deshalb hervorragend für architektonische Detailaufnahmen und weniger klassische Rothenburg-Fotos.

Unser Tipp

Planen Sie für das Spitaltor etwas mehr Zeit ein.

Nicht nur hindurchgehen.

Erkunden Sie zunächst die Bastei von innen, gehen Sie anschließend ein Stück nach außen und betrachten Sie die gesamte Anlage noch einmal aus der Gegenrichtung.

Und wenn Sie noch Zeit haben:

Verlassen Sie für eine Weile die Altstadt und gehen Sie hinunter Richtung Wildbad und Taubertal.

Innerhalb weniger Minuten wechseln Sie von einer der mächtigsten historischen Befestigungsanlagen Rothenburgs in eine vollkommen andere Welt aus Wald, Wasser und Wanderwegen.

Fotonachweise

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